Sie sind hier: Naturkundemuseum im Ottoneum > Das Museum > Was gibt's Neues >Neues aus den Sammlungen
Das Museum | Wissenschaft & Personal | Kinderseite

zurück Neues aus den Sammlungen

Vogelpräparate

Vogelpräparate

VogelpräparateVogelpräparateVogelpräparate

 

Besuchen Sie auch:

 

Neuordnung der Vogelsammlung

Die Stadt Kassel hat für ihre Museen neue Depotflächen angemietet. Das erlaubt es uns, die an verschiedenen Standorten gelagerten Sammlungen neu zu ordnen.

Dies betrifft auch die Sammlung aufgestellter Vögel, die im Ottoneum konzentriert sind und die durch Auslagerung anderer Sammlungsteile übersichtlicher aufgestellt werden können. Bei dieser Gelegenheit werden seit April 2009 alle Präparate neu inventarisiert, fotografiert und in einer Datenbank eingetragen.

Die Vogelsammlung des Naturkundemuseums enthält unter anderem Präparate aus den Beständen des 1836 gegründeten Vereins für Naturkunde, Präparate aus der Werkstatt von Eugen Ferdinand von Homeyer (1809-1889) sowie zahlreiche südamerikanische Vogelarten aus der Sammlung von Otto Matsko (1880-1918).

WandertaubenZu den besonders wertvollen Vogelpräparaten im Ottoneum gehören diese Wandertauben, die vermutlich über den Verein für Naturkunde nach Kassel gelangt sind.
Aus den Sitzungsberichten des Vereins geht hervor, dass der damalige Geschäftsführer, Eduard Sezekorn (1796-1869), schon 1839 ein Exemplar dieser damals in Nordamerika noch häufigen Vogelart in Kassel präsentiert hat. Wandertauben sind Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestorben.

Berichte von zeitgenössischen Ornithologen über die Wandertauben lesen sich wie phantastische Romane.

Die Vögel tauchten am Himmel in so dichten Schwärmen auf, dass sie die Sonne buchstäblich verdunkelten. Der amerikanische Vogelforscher Audubon unternahm 1813 einmal den Versuch, die Zahl der Tauben in einem solchen Schwarm zu schätzen: "Nimmt man an, daß der Zug eine Meile breit ist (...) und daß er bei der angegebenen Schnelligkeit ununterbrochen drei Stunden währt, so erhält man ein Parallelogramm von 180 englischen Geviertmeilen. Rechnet man nun nur zwei Tauben auf die Geviertelle, so ergibt sich, daß der Zug aus 1 Milliarde, 115 Millionen, 136 Tausend Stück Wandertauben besteht" (zit. in Brehms Tierleben).

Wie man es angestellt hat, diese unzähligen Tiere so stark zu dezimieren, dass sie schließlich ausstarben, beschreibt ebenfalls Audubon (zit. in Brehms Tierleben): "Das ganze Volk war in Waffen. An den Ufern des Ohio wimmelten Männer und Knaben durch einander und schossen ohne Unterlaß unter die fremden Gäste (...). Massen von ihnen wurden vernichtet, eine Woche und länger genoß die Bevölkerung Nichts als das Fleisch oder das Fett der Tauben (...)."
Die gleiche Schlächterei fand an den manchmal aus mehr als 100 Millionen Brutpaaren bestehenden Nistkolonien der Wandertauben statt: "Sobald die Jungen ausgekrochen sind, beginnt der Gewaltherrscher, Mensch genannt, die Bruten zu vernichten. Er zieht aus mit Aexten und anderen Waffen und haut Aeste und Bäume nieder, den Frieden der harmlosen Ansiedler zu stören." Das Fleisch der Tauben wurde tonnenweise per Bahn in die Städte transportiert und dort verkauft.

Auf diese Weise wurde die Milliarden von Individuen zählende Gesamtpopulation auf wenige Tausend Tiere reduzierten. Die Restbestände der überaus geselligen Wandertauben konnten sich nicht mehr erholen. Zudem fielen die bevorzugten Lebensräume - ausgedehnte Laubwälder, in denen sie ausreichend Nistplätze und Nahrung (Eicheln, Bucheckern, verschiedene Sämereien und Früchte) finden konnten - vermehrt großflächigen Rodungen zum Opfer.

Die letzte Taube verendete am 1.9.1914 als Käfigvogel im Zoo von Cincinatti (Ohio). In Freiheit starb sie einige Jahre früher aus, wahrscheinlich zwischen 1907 und 1909.

Kinderseite Wissenschaft & Personal Das Museum