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Bodenprofile im Museum

Stauwasserböden (Pseudogley)Stauwasserböden (Pseudogley)

Stauwasserböden besitzen einen gut durchlässigen Oberboden (Stauzone), gefolgt von einer dichten, undurchlässigen Schicht (Staukörper). Der
periodische Wechsel von starker Vernässung und extremer Austrocknung bewirkt eine Mobilisierung des Eisens.
Der Name "Pseudo"gley weist darauf hin, dass sich diese "wechselfeuchten" Böden deutlich von den als "Gley" bezeichneten ständig nassen Grundwasserböden unterscheiden.
Im Falle der Pseudogleye führt dies zu einer auffälligen Rostfleckung und Marmorierung im oberen Teil des Bodens. Die Vernässung dauert einige
Monate an. Pseudogleye sind unter Wald, Grünland und teilweise unter Acker anzutreffen. Bodenschätzung: 40-70 Punkte (von max. 100).
Im Falle der Stagnogleye kommt es zu ganz extrem starker Staunässe (meist viele Monate lang) und infolgedessen zu einer so starken seitlichen
Eisenabfuhr, dass der obere Horizont milchig-weiß gebleicht wird. Diese
Böden haben den volkstümlichen Namen "Molkenboden". Stagnogleye sind
nicht ackerfähig.
Der Humushorizont zeigt gelegentlich Merkmale einer Viehtritt-bedingten Verwühlung (jAh) aus der Zeit der Waldweide.

Stagnogley (Molkenboden), Reinhardswald.
Sehr geringmächtiger Lösslehm (wenige dm), unterlagert von sehr dichtem, tonreichem Buntsandstein-Material (Sd). Die zeitweilige extreme Staunässe bewirkt oben eine milchig-weiße Bleichung (Sew).
Der unregelmässige jAh-Horizont ist durch Verwühlung entstanden.

"Molkenböden" sind hauptsächlich in den Mittelgebirgen Süd-Deutschlands
(z.B. Schwarzwald) verbreitet, aber auch der Reinhardswald ist für seine "Molkenböden" unter Fichten- und Eichenwald berühmt.

Abbildung rechts:
Bodenprofil im Naturkundemuseum
Stauwasser- Boden: Stagnogley ("Molkenboden")
Profiltiefe: 65 cm
Horizonte: Ah (jAh) Sew Sw Sd

Stauwasserböden (Pseudogley) Stieleichen-Hutewald, im Reinhardswald häufig auf Pseudogley.
Stauwasserböden (Pseudogley)

Forstliche Nutzung von Stauwasserböden

Im Reinhardswald tragen Pseudogleye und Stagnogleye häufig
Fichtenforsten und Eichen-Hutewälder (hier: die "Ruine" einer
jahrhundertealten Stieleiche aus der Zeit der Waldbeweidung).

Stauwasserböden (Pseudogley)

Wurzelteller eine Fichte

Dieser Windwurf erlaubt einen Blick "von unten"
in den durch Nässe milchig-weiß gebleichten Horizont
eines Stagnogleys ("Molkenboden").

Stauwasserböden (Pseudogley)

Profil eines Stagnogleys

Geringmächtiger Löss wird von sehr dichtem, tonreichen Material (Sd) unterlagert.
Oben bewirkt extreme Staunässe eine milchig-weiße Bleichung (Sw).
Der Boden wird volkstümlich auch als "Molkenboden" bezeichnet.

Stauwasserböden (Pseudogley)

Profil eines Pseudogleys

Dieser Boden bildete sich aus Löss, der von tonreichem, dichtem Material (unterhalb des Bildausschnittes) unterlagert wird.
Im oberen Meter dieses Bodens (Sw) wechseln häufig Staunässe und extreme Austrocknung.
Dadurch kommt es zur Rostfleckung und Marmorierung.
Die Vernässung beruht also nicht auf Grundwassereinfluss.

Stauwasserböden (Pseudogley)

Stauwasserböden im Raum Kassel

Stauwasserböden (Pseudogley und Stagnogley)